Dur und Moll

Wer ein Instrument lernt und sich intensiver mit Musik beschäftigt, lernt auch schnell Dur und Moll kennen. Ganz oft wird dabei Dur mit einem fröhlichen, hellen Klang assoziiert und Moll mit einem dunklen, traurigen. Kulturell bedingt, kann auch das komplette Gegenteil typisch sein: Die russische Volksmusik beispielsweise besteht zum Großteil aus Melodien in Moll. Von Traurigkeit ist hier keine Spur. Die Party scheint eher in vollem Gange!

Aber auch im westlichen Teil Europas, dem Abendland wird erst seit dem 18. Jahrhundert von der Dur/Moll-Tonalität gesprochen. Viel mehr wurde ab diesem Zeitraum die Musik von Dur und Moll geprägt. Vorher existierten allein die Kirchentonarten oder auch Modi.

Der gregorianische Choral

In Zeiten der Gregorianik wurde die Heilige Messe in der Kirche ausschließlich besungen. 7 spezielle Modi bestimmten den Gesang des gregorianischen Chorals: ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch, aeolisch und lokrisch. Ionisch und aeolisch sind heute auch als Dur bzw. Moll bekannt. Spielt man die anderen Modi als Tonleitern auf dem Klavier, klingen sie für das Dur-und-Moll-verwöhnte Ohr eher ungewöhnlich. Für die damalige Zeit waren aber alle 7 Modi gleichberechtigt. Ein Stück stand in Dorisch, das andere in Lydisch usw.

Jazz improvisiert

Was mit der Zeit in Vergessenheit geriet, ist für Manche heute immer noch Lernstoff. Jazz ist improvisierte Musik. Doch würde jedes Lied irgendwann gleich klingen, wenn es dafür nur eine Dur oder Moll-Tonleiter gäbe. Die Improvisation würde monoton wirken. Deswegen behelfen sich viele Jazz-Musiker damit, ihre Improvisationen mit dem historischen Material anzureichern. Die Kirchentonarten geben neue Möglichkeiten und eine immense klangliche Vielfalt.

Das bedeutet konkret:

  • Ionisch in C besteht aus den Tönen c d e f g a h c
  • Dorisch in D besteht aus den Tönen d e f g a h c d
  • Phrygisch in E besteht aus den Tönen e f g a h c d e
  • Lydisch in F besteht aus den Tönen f g a h c d e f
  • Mixolydisch in G besteht aus den Tönen g a h c d e f g
  • Aeolisch in A besteht aus den Tönen a h c d e f g a
  • Lokrisch in H besteht aus den Tönen h c d e f g a h

Alles gleich? Von wegen!

Eine Tonleiter besteht aus insgesamt 8 Tönen. Wenn man eine Dur-Tonleiter kennt, kann man sich alle anderen Kirchentonleitern selbst herleiten. Man könnte auch sagen: „Das sind alles die gleichen Töne, also müssen die doch auch alle gleich klingen!“. Aber dem ist (zum Glück) nicht so. Spielt man die Tonleitern wie oben einzeln und hört sie sich dann nochmal in Beziehung zueinander an, merkt man, dass z.B. lokrisch ziemlich angsteinflößend und düster klingt; lydisch wesentlich heller als ionisch.

Für Jazzer reicht es demnach nicht eine Tonleiter zu lernen, sondern sie müssen 7 verschiedene verinnerlichen. Für mich ergab das anfangs wenig Sinn. Große Unterschiede konnte ich nicht wahrnehmen. Deswegen beschäftigte ich mich etwas intensiver mit jeder Tonleiter und begann zu spielen. Ich improvisierte und bildete auch passende Akkorde zu den jeweiligen Modi. Ich nahm mich dabei auf, postete Videos auf meinen Social Media Kanälen und in verschiedenen Musikergruppen und bekam schnell mit, dass ich nicht der Einzige war mit diesem Problem. Also entschied ich mich noch mehr Zeit den einzelnen Tonleitern zu widmen und komponierte pro Kirchentonleiter ein kleines und typisches Stück.

Gregorian Modes

Ich nahm sie ein weiteres Mal auf – dieses Mal aber professionell. Es entstand das Werk „Gregorian Modes“ mit 7 kleinen Stücken für Klavier. Ton für Ton kann man jeden Akkord nachvollziehen und sich dem Klang hingeben. Außerdem habe ich kurz erklärt, wie ich beim Improvisieren vorgegangen bin, sodass ich jeden dazu einladen möchte, selbst auszuprobieren und mit den Modi zu experimentieren. Die Stücke sind im mittleren Schwierigkeitsgrad angelegt und modern arrangiert. Alte Klänge in neuem Gewand und für jeden zum Nachspielen.

 

Interessante Links zum Thema:

Falls du jetzt unbedingt hören möchtest, wie die Stücke klingen, kannst du das hier:
https://spoti.fi/2X3xfnq
http://bit.ly/2RB2rtt

Die Noten gibt es als Heft hier:
https://amzn.to/2pfqtjf

Das E-Book findest du hier:
https://bit.ly/2XOzeQW